SOPA, das steht für Stop Online Piracy Act. Zusammengefasst also für einen Gesetzeswurf in den USA, der es ermöglichen soll, dass im Netz weniger oder keine Copyrightverletzungen mehr stattfinden können.
Gleichzeitig soll das Gesetz PIPA, das die Zurückverfolgung von IP Adressen vereinfachen soll, ebenfalls in Kraft treten. Dazu sollen die Internetprovider, also diejenigen, bei denen man seinen Internetanschluss kauft, gezwungen werden, Copyrightverletzungen nicht mehr an die Kunden zu übertragen. Außerdem soll allen anderen Firmen verboten werden, mit den Copyrightverletzern Geschäfte zu machen. Dass das Ganze über "Blacklists" also Listen mit URLs, die nicht mehr übertragen oder unterstützt werden dürfen, laufen soll, macht die Sache nur noch problematischer: wer überprüft diese Blacklists? Wer beweist, dass nicht auch Seiten in den Filter geraten würden, die schlichtweg der Regierung nicht passen?
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| Das Razer Team ist gegen SOPA |
Dass das so überhaupt nicht dem Geist des Internets, das sich über Jahre hinweg als das einzige funktionierende anarchistische System der Welt präsentiert hat, entspricht, steht außer Frage. Kritiker befürchten in den Gesetzesentwürfen eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und einen weiteren Schritt in Richtung Zensurstaat zu sehen. Tatsächlich könnte das Gesetz nämlich auch so ausgelegt werden, dass es auch meiner Meinung nach vollkommen harmlose "Straftaten", wie zum Beispiel das Hochladen von gecoverten Songs oder Fotos strafbar machen würde. Ein geschütztes Lied vor laufender Kamera summen? Verboten. Let's Play Videos? Verboten. Videos, in denen zufällig im Hintergrund geschützte Musik läuft? Verboten.
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Die englische Wikipedia geht am 18.01
aus Protest offline. Stattdessen
erscheint dieses Bild mit einer
kurzen Information zu SOPA. |
Mittlerweile hat dieses geplante Gesetz mehrere Wellen der Empörung durch das Internet gejagt, und viele namhafte Websites und Personen haben ihr Missfallen kundgetan. Um nur das wohl drastischste Beispiel zu nennen: morgen gibt es keine englische Wikipedia.* Stattdessen aber einen Hinweis zu dem SOPA Entwurf und den damit verbundenen Gefahren für die Demokratie und die Pressefreiheit.
Auch andere große Portale wie die Mozilla Foundation sind strikt gegen dieses Zensurgesetz.**
Doch betrifft uns das in Europa überhaupt?
Ich befürchte schon. Möglicherweise nicht in dieser direkten Form, doch dass auch wir nicht mehr auf gesperrten Content zugreifen können, wenn dieser in Amerika erst mal aus dem Netz genommen wurde, ist klar.Umgekehrt können dann auch Amerikaner nicht mehr auf europäische, zensierte Seiten zugreifen, was wiederum ein Schlag gegen die Meinungs- und Pressefreiheit ist. Zudem ist Amerika, vor allem in Sachen Technologie, schon immer ein Vorbild für den gesamten Westen gewesen. Wie lange würde es wohl dauern, bis die ersten Stimmen nach einer EU-weiten, ähnlichen Reglementierung laut werden würden?

Und gerechtfertigt wird SOPA mit Copyrightverletzungen. Es ist natürlich eine Tatsache, dass der Musik- und Filmindustrie jährlich Milliarden durch die Lappen gehen, da viele, vor allem jugendliche, Menschen ihre Medien lieber von illegalen Portalen downloaden als für diese zu bezahlen. Im Grunde also ein Gesetz, das auf Wunsch von großen Konzernen hin entstanden ist. Sehr volksnahe, sehr demokratisch, stimme zu. Nicht.
Insgesamt jedoch glaube ich, dass es hier eigentlich um etwas ganz anderes geht. Die digitalen Medien haben nicht nur unseren Alltag verändert, sondern auch die Art, wie wir Musik, Spiele und sogar Bücher erwerben. Was früher bedeutete, viel erspartes Geld für ein Album auszugeben, sind heite 79 Cent bei iTunes, da man ja ohnehin "nur das eine Lied von denen" mag. Oder eben gar nichts, wenn man eines der beliebten (und natürlich illegalen) Filehosting***- oder Torrentportale**** verwendet.
Meine Generation steht also nicht vor der Entscheidung zwischen "viel zahlen" oder "keine Musik hören", sondern muss sich zwischen zahlen und nicht zahlen entscheiden. Besonders bei Musik reicht oft einfach der Klick auf Youtube, und selbst wenn ein Video wie auf der Abbildung oben "in deinem Land nicht verfügbar" ist, fällt das Umgehen dieser Sperre verschiedenen Hilfsmitteln***** nicht sonderlich schwer.
Verschiedene Medienanbieter, besonders solche von Computerspielen, versuchen dieses Problem nun auf eine neue, meiner Meinung nach viel bessere Methode zu lösen. Anstatt wie die Musikindustrie massenhaft Abmahnungen zu verschicken und Website für Website zu verklagen, hat sich beispielsweise die Computerspielplattform Steam für einen vernünftigeren Weg entschieden: Wenn man nun nämlich ein Spiel bei Steam erwirbt, anstatt es illegal zu downloaden, erhält man dazu kostenlos Zugriff auf diverse Spielfeatures, die nur bei online Aktivität möglich sind. Ein Ranking, eine Freundesliste, einen integrierten Chat, verschiedene Achievements und so weiter. Zudem muss das Spiel nur einmal gekauft werden, was auch online passieren kann, und wird dann automatisch heruntergeladen, installiert und künftig regelmäßig mit neuesten Updates versorgt. Steam speichert für jeden Spieler den Spielstand, die gespielte Zeit und verschiedenste andere Informationen und macht somit das Kaufen des Spiels wirklich attracktiv.
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| Das Rating von Battlefield 3 auf Amazon |
Ganz im Gegenteil zu Spielen wie Battlefield 3, das legal nicht ohne einer Art Überwachungsprogramm gespielt werden kann, das non-stop private Daten aus dem PC aufsammelt und an seinen Hersteller überträgt, um "die Sicherheit beim Spiel" zu gewährleisten. Aus Protest wurde dieses Spiel tausendfach zurückgeschickt und stattdessen illegal, ohne der "Spyware" geladen. Steam hat es also gelernt, den legalen Kauf schmackhaft zu machen und so viele Kunden zu gewinnen, während andere Firmen sich mit übertriebener Überwachung selbst ins Knie schießen. Klingt nach einem neuen Wind, oder?
Durchaus könnte ich mir ein ähnliches Konzept auch für Musik und Filme vorstellen. Anstatt ständig in irgendwelchen lächerlichen Kinospots von Raubkopierern zu schwafeln, die angeblich etwas stehlen, könnte man doch an den guten Musikgeschmack der Konsumenten appellieren.
Ich selbst habe es mir mittlerweile zur Gewohnheit gemacht, für richtig gute Musik auch zu bezahlen. Wenn ich daran denke, dass hinter diesen Songs eine Band steht, die viel Zeit und Arbeit investiert, um mir meinen Musikgenuss zu ermöglichen, sind sie mir die, wahrhaft lächerlich kleinen, Beträge auch wirklich wert, die iTunes dafür verlangt. Außerdem gäbe es genug Möglichkeiten, den Kauf von Musik auf legalem Wege interessant zu machen. Was wäre zum Beispiel mit Gewinnspielen unter allen Einkäufern? Einem Punktesystem, das kostenlose Downloads oder ähnliches freischalten kann, oder, oder, oder?
Ganz nebenbei: Die Filmindustrie ist eine der Marktbranchen, die in den letzten Jahren am wenigsten Einbußen zu verzeichnen hatten. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf kann ich das folgende Video nur herzlich empfehlen:
(Ein, logischerweise ausländischer, Mann lädt illegal Filme auf seinen Rechner, brennt diese auf DVDs und verkauft sie auf der Straße. Von dem Geld erwirbt er das, was er zum überleben braucht. Und tadaa, Drogen! Kinderarbeit! Straßengangs! Könnte mir jemand erklären was das mit Piraterie zu tun hat?)
Ach und übrigens: Dieser Text würde nach SOPA Prinzipien in den USA nicht zu lesen sein - schließlich enthält er mehrere Links zu Portalen, auf denen man illegal Musik und Videos konsumieren kann. Tatsächlich würde der Text höchstwahrscheinlich sogar komplett gelöscht werden - schließlich veröffentlicht Google meine Beiträge über einen amerikanischen Server, und der würde dann zensiert werden. (Danke an den anonymen Hinweisgeber dazu).
So viel zum Thema Redefreiheit also...
* Wikipedias Protest gegen Sopa
http://derstandard.at/1326502916076
** Mozillas Protest gegen Sopa
http://www.mozilla.org/sopa/
*** Website, die Filehoster wie Rapidshare durchsucht
http://filecrop.com/
**** Größtes Torrentportal
http://thepiratebay.org/
***** Website, die geographische Sperren umgeht
http://hidemyass.com