Fish

Samstag, 28. Januar 2012

Gute Drohnen, Böse Drohnen

 "Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht."
-Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, 1948

Barack Hussein Obama, Friedensnobelpreisträger und Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, lässt Menschen, gegen die kein Prozess geführt wurde, aus Gründen, die nicht genau geklärt sind, in Ländern, denen die USA nicht den Krieg erklärt haben, einfach hinrichten.

Gut, dazu muss ich wohl ein klein wenig weiter ausholen.

Seit 1995 verwendet das amerikanische Militär, gemeinsam mit der CIA, eine neue Technologie der modernen Kriegsführung: Drohnen.
Diese unbemannten, ferngesteuerten Flugeinheiten können sowohl friedlich als auch kriegerisch verwendet werden, doch welchen Zweck sie bei den oben genannten Institutionen erfüllen liegt wohl auf der Hand.

Die Drohnen können verschiedenste Technologien an Bord mit sich führen: Kameras, diverse Sensoren, Raketen, Mikrobomben, Giftgas und vieles mehr. Wie ausgereift diese Technologie tatsächlich ist, und welche Möglichkeiten sie der CIA wirklich bietet, wird diese wohl kaum freiwillig veröffentlichen.

Laut offiziellen Angaben wurden seit Obamas Amtsantritt, der ihn als Präsidenten ja auch automatisch zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte Amerikas machte, bereits über 2300 Menschen unter den Angriffen von Drohnen zu Tode gekommen. Rund 10% davon sollen Zivilisten gewesen sein, jedoch gehen viele von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus.

Diese Technologie, die es den USA ermöglicht, Menschenleben auf Knopfdruck und aus sicherer Entfernung einfach zu beenden, ohne Möglichkeit, sich zu ergeben, ohne Chance auf Kapitulation oder einen Prozess, stand bereits mehrmals im Hagel der Kritik, doch anstatt auf diese zu reagieren, wurde nur das Budget für Drohnen weiter erhöht. Mir ist leider nur die Summe von etwa 3,5 Milliarden Dollar bekannt, die 2010 in die ferngesteuerte Kriegsführung investiert wurde, jedoch wurde damals angekündigt, dieses Budget noch deutlich zu erhöhen. Aufgrund der "Großen Erfolge".

Nun aber zurück zur aktuellen Situation.
Natürlich bieten solche Drohnen die einmalige Chance, gefährliche Terroristen aus sicherer Distanz zu exekutieren, ohne dafür das Leben amerikanischer Soldaten aufs Spiel setzen zu müssen. Auch hohe Tiere des Terrors konnten mit ferngesteuerten Kriegsflugzeugen bereits getötet werden, wie zum Beispiel der Talibanführer Baitullah Mehsud oder ein führendes Al-Quaida Mitglied namens Aslam Awan.
Nebenher bemerkt sind Dohnen auch noch vergleichsweise günstig.
Die tatsächliche Anwendung aber erfolgt auf eine Weise, die ganz sicherlich nicht den Menschenrechten oder irgendeiner Form von Kriegsrecht entspricht.

Pakistani verbrennen das Bild einer
amerikanischen Drohne.
Viele dieser Drohneneinsätze erfolgen nämlich in Ländern, denen die USA nicht den Krieg erklärt haben, großteils in Pakistan. Dort werden, auf Verdacht hin, Stammesmitglieder verschiedener paschtunischer Stämme, der Zusammenarbeit mit der Al-Quaida bezichtigt - und getötet. Als "signifikantes Merkmal" genügt hier das Tragen einer Waffe - was in diesen Gebieten, vor allem im Kulturkreis dieser Stämme, vollkommen normal ist. Eine Kriegserklärung an Pakistan gibt es keine, die Tötungen folgen keinem bestehenden Recht.
Auch die pakistanische Zivilbevölkerung ist den Drohnenangriffen nicht gerade freundlich gesinnt - wie sie unter Anderem bei einer Massendemonstration mit mehr als 100.000 Demonstranten gezeigt hat. Und Pakistans Regierung? Schweigt missmutig, vermutlich vor Angst oder Bestechungsgeld, ich weiß es nicht.

Für mich zeigt das erneut sehr deutlich, dass für die USA keine Rechte zu gelten scheinen, sobald sie sich in irgendeiner Form bedroht fühlen. Die mutmaßlichen Terroristen bemerken von dem Angriff meist überhaupt nichts - bis zu dem Augenblick, in dem sie und ihre nähere Umgebung sich in eine sich rasch ausbreitende Staubwolke verwandeln.
Da können die positiven Seiten noch so verlockend scheinen - eine derartige Hinrichtung von Menschen, schuldig oder unschuldig, ohne jeden Prozess, halte ich dennoch für eine Schweinerei.

Mittwoch, 25. Januar 2012

#McDStories: ein Bashtag

McDonalds hat in den letzten Tagen etwas gelernt.
Das Prinzip "Werbung" funktioniert nämlich allem Anschein nach nur als passive Berieselung von nicht denkenden Individuen. Sobald man der Masse aber die Macht, diese "Werbung" zu gestalten, selbst in die Hand gibt, könnte das ganze ziemlich schnell in einem PR Desaster enden.


Die McDonalds Werbeabteilung hatte nämlich die "grandiose" Idee, den Menschen auf Twitter unter dem Hashtag* #McDStories kleine, interessante Fakten über ihren so großartigen Konzern mitzuteilen. Sofort begannen aber viele, diesen Hashtag zu "missbrauchen", um, statt von hoher Fleischqualität und fairer Bezahlung, nun von Herzerkrankungen und Lebensmittelvergiftungen zu twittern.


McDonald's Social Media Berater Rick Wion reagierte recht schnell und von da an wurden von Ronalds Fastfoodkette keine Tweets mit dem verhängnisvollen Hashtag mehr veröffentlicht, doch offensichtlich wurde hierbei etwas gröber unterschätzt:
Das Internet.



Twitter basiert auf einem Prinzip, das sich "Social Spreading" nennt. Verfasst ein User einen Tweet, den andere interessant finden, können sie diesen mit einem Klick "retweeten", also all ihren Followern ebenfalls zum Lesen anbieten. Finden diese den Tweet ebenfalls gut, können sie ihn wieder retweeten, und so können sich Neuigkeiten binnen weniger Minuten auf Millionen Leser verbreiten lassen.
So geschah es, dass der Hashtag #McDStories binnen kürzester Zeit zu einem "Bashtag"** werden konnte und die gesamte Kampagne des Fastfoodriesen in einem ordendlichen Eigentor endete. Gefundene Fingernägel im Essen, nicht verrottende Lebensmittel und zahllose Krankheitsfälle fluteteten in der Folge die Twitterseite des Hashtags,
https://twitter.com/#!/search/%23McDStories


Ein meiner Meinung nach wunderschöner Beweis für die Existenz von kollektiver Intelligenz, die sich hier deutlich gegen eine verlogene Kampagne gerichtet hat, die uns glauben machen sollte, dass McDonalds gesunde, hochwertige Produkte verkaufe.



McDonalds hat schnell versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben, und sofort einen neuen Hashtag verbreitet und laufend auf Twitter gepostet, doch glaube ich kaum dass jemand #littlethings nach so einer Miserie noch ernst nehmen kann. Der Imageschaden ist sicherlich kein kleiner, und die Blamage einer solchen Negativwerbung kaum zu übertreffen.
Und vielleicht kapieren es ja jetzt auch ein paar mehr, vorwiegend Regierungen, dass das Internet zu anarchistisch strukturiert ist, um es in irgendeiner Form zu kontrollieren oder zu regulieren.
Weiter so, Internet.

Bildergalerien mit den besten Tweets zu #McDStories :



*   Hashtag: Ein Stichwort, unter dem verschiedenste Beiträge zu einem Thema gesammelt werden. Auf Twitter können mit einem Klick auf den entsprechenden Hashtag alle Tweets, die diesen beinhalten, aufgelistet werden.
** Bashtag: Wortspiel mit Hashtag* und dem Verb "to bash", also zerschlagen, schlecht machen.

Dienstag, 24. Januar 2012

Zur Abwechslung: Werbung.

Natürlich gibt es zu den Folgen des SOPA Debakels einiges zu sagen, und den meisten wird auch die Verhaftung der führenden Köpfe des Filehosters Megaupload bekannt sein.
Es ist aber auch ein Fakt, dass das wichtigste bereits gesagt wurde, und deshalb möchte ich hier nicht selbst allzu viel schreiben, sondern auf den äußerst lesenswerten Blog von Stefan Schett verweisen, der meiner Meinung nach das wichtigste sagt, was dazu zu sagen ist:

Kim Dotcom und das Verbrechen Filesharing

Dienstag, 17. Januar 2012

SOPA

SOPA, das steht für Stop Online Piracy Act. Zusammengefasst also für einen Gesetzeswurf in den USA, der es ermöglichen soll, dass im Netz weniger oder keine Copyrightverletzungen mehr stattfinden können.
Gleichzeitig soll das Gesetz PIPA, das die Zurückverfolgung von IP Adressen vereinfachen soll, ebenfalls in Kraft treten. Dazu sollen die Internetprovider, also diejenigen, bei denen man seinen Internetanschluss kauft, gezwungen werden, Copyrightverletzungen nicht mehr an die Kunden zu übertragen. Außerdem soll allen anderen Firmen verboten werden, mit den Copyrightverletzern Geschäfte zu machen. Dass das Ganze über "Blacklists" also Listen mit URLs, die nicht mehr übertragen oder unterstützt werden dürfen, laufen soll, macht die Sache nur noch problematischer: wer überprüft diese Blacklists? Wer beweist, dass nicht auch Seiten in den Filter geraten würden, die schlichtweg der Regierung nicht passen?


Das Razer Team ist gegen SOPA

Dass das so überhaupt nicht dem Geist des Internets, das sich über Jahre hinweg als das einzige funktionierende anarchistische System der Welt präsentiert hat, entspricht, steht außer Frage. Kritiker befürchten in den Gesetzesentwürfen eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und einen weiteren Schritt in Richtung Zensurstaat zu sehen. Tatsächlich könnte das Gesetz nämlich auch so ausgelegt werden, dass es auch meiner Meinung nach vollkommen harmlose "Straftaten", wie zum Beispiel das Hochladen von gecoverten Songs oder Fotos strafbar machen würde. Ein geschütztes Lied vor laufender Kamera summen? Verboten. Let's Play Videos? Verboten. Videos, in denen zufällig im Hintergrund geschützte Musik läuft? Verboten.

Die englische Wikipedia geht am 18.01
aus Protest offline. Stattdessen
erscheint dieses Bild mit einer
kurzen Information zu SOPA.


Mittlerweile hat dieses geplante Gesetz mehrere Wellen der Empörung durch das Internet gejagt, und viele namhafte Websites und Personen haben ihr Missfallen kundgetan. Um nur das wohl drastischste Beispiel zu nennen: morgen gibt es keine englische Wikipedia.* Stattdessen aber einen Hinweis zu dem SOPA Entwurf und den damit verbundenen Gefahren für die Demokratie und die Pressefreiheit.
Auch andere große Portale wie die Mozilla Foundation sind strikt gegen dieses Zensurgesetz.**


Doch betrifft uns das in Europa überhaupt?
Ich befürchte schon. Möglicherweise nicht in dieser direkten Form, doch dass auch wir nicht mehr auf gesperrten Content zugreifen können, wenn dieser in Amerika erst mal aus dem Netz genommen wurde, ist klar.Umgekehrt können dann auch Amerikaner nicht mehr auf europäische, zensierte Seiten zugreifen, was wiederum ein Schlag gegen die Meinungs- und Pressefreiheit ist. Zudem ist Amerika, vor allem in Sachen Technologie, schon immer ein Vorbild für den gesamten Westen gewesen. Wie lange würde es wohl dauern, bis die ersten Stimmen nach einer EU-weiten, ähnlichen Reglementierung laut werden würden?

Und gerechtfertigt wird SOPA mit Copyrightverletzungen. Es ist natürlich eine Tatsache, dass der Musik- und Filmindustrie jährlich Milliarden durch die Lappen gehen, da viele, vor allem jugendliche, Menschen ihre Medien lieber von illegalen Portalen downloaden als für diese zu bezahlen. Im Grunde also ein Gesetz, das auf Wunsch von großen Konzernen hin entstanden ist. Sehr volksnahe, sehr demokratisch, stimme zu. Nicht.




Insgesamt jedoch glaube ich, dass es hier eigentlich um etwas ganz anderes geht. Die digitalen Medien haben nicht nur unseren Alltag verändert, sondern auch die Art, wie wir Musik, Spiele und sogar Bücher erwerben. Was früher bedeutete, viel erspartes Geld für ein Album auszugeben, sind heite 79 Cent bei iTunes, da man ja ohnehin "nur das eine Lied von denen" mag. Oder eben gar nichts, wenn man eines der beliebten (und natürlich illegalen) Filehosting***- oder Torrentportale**** verwendet.
Meine Generation steht also nicht vor der Entscheidung zwischen "viel zahlen" oder "keine Musik hören", sondern muss sich zwischen zahlen und nicht zahlen entscheiden. Besonders bei Musik reicht oft einfach der Klick auf Youtube, und selbst wenn ein Video wie auf der Abbildung oben "in deinem Land nicht verfügbar" ist, fällt das Umgehen dieser Sperre verschiedenen Hilfsmitteln***** nicht sonderlich schwer.

Verschiedene Medienanbieter, besonders solche von Computerspielen, versuchen dieses Problem nun auf eine neue, meiner Meinung nach viel bessere Methode zu lösen. Anstatt wie die Musikindustrie massenhaft Abmahnungen zu verschicken und Website für Website zu verklagen, hat sich beispielsweise die Computerspielplattform Steam für einen vernünftigeren Weg entschieden: Wenn man nun nämlich ein Spiel bei Steam erwirbt, anstatt es illegal zu downloaden, erhält man dazu kostenlos Zugriff auf diverse Spielfeatures, die nur bei online Aktivität möglich sind. Ein Ranking, eine Freundesliste, einen integrierten Chat, verschiedene Achievements und so weiter. Zudem muss das Spiel nur einmal gekauft werden, was auch online passieren kann, und wird dann automatisch heruntergeladen, installiert und künftig regelmäßig mit neuesten Updates versorgt. Steam speichert für jeden Spieler den Spielstand, die gespielte Zeit und verschiedenste andere Informationen und macht somit das Kaufen des Spiels wirklich attracktiv.
Das Rating von Battlefield 3 auf Amazon
Ganz im Gegenteil zu Spielen wie Battlefield 3, das legal nicht ohne einer Art Überwachungsprogramm gespielt werden kann, das non-stop private Daten aus dem PC aufsammelt und an seinen Hersteller überträgt, um "die Sicherheit beim Spiel" zu gewährleisten. Aus Protest wurde dieses Spiel tausendfach zurückgeschickt und stattdessen illegal, ohne der "Spyware" geladen. Steam hat es also gelernt, den legalen Kauf schmackhaft zu machen und so viele Kunden zu gewinnen, während andere Firmen sich mit übertriebener Überwachung selbst ins Knie schießen. Klingt nach einem neuen Wind, oder?

Durchaus könnte ich mir ein ähnliches Konzept auch für Musik und Filme vorstellen. Anstatt ständig in irgendwelchen lächerlichen Kinospots von Raubkopierern zu schwafeln, die angeblich etwas stehlen, könnte man doch an den guten Musikgeschmack der Konsumenten appellieren.
Ich selbst habe es mir mittlerweile zur Gewohnheit gemacht, für richtig gute Musik auch zu bezahlen. Wenn ich daran denke, dass hinter diesen Songs eine Band steht, die viel Zeit und Arbeit investiert, um mir meinen Musikgenuss zu ermöglichen, sind sie mir die, wahrhaft lächerlich kleinen, Beträge auch wirklich wert, die iTunes dafür verlangt. Außerdem gäbe es genug Möglichkeiten, den Kauf von Musik auf legalem Wege interessant zu machen. Was wäre zum Beispiel mit Gewinnspielen unter allen Einkäufern? Einem Punktesystem, das kostenlose Downloads oder ähnliches freischalten kann, oder, oder, oder?
Ganz nebenbei: Die Filmindustrie ist eine der Marktbranchen, die in den letzten Jahren am wenigsten Einbußen zu verzeichnen hatten. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf kann ich das folgende Video nur herzlich empfehlen:


(Ein, logischerweise ausländischer, Mann lädt illegal Filme auf seinen Rechner, brennt diese auf DVDs und verkauft sie auf der Straße. Von dem Geld erwirbt er das, was er zum überleben braucht. Und tadaa, Drogen! Kinderarbeit! Straßengangs! Könnte mir jemand erklären was das mit Piraterie zu tun hat?)

Ach und übrigens: Dieser Text würde nach SOPA Prinzipien in den USA nicht zu lesen sein - schließlich enthält er mehrere Links zu Portalen, auf denen man illegal Musik und Videos konsumieren kann. Tatsächlich würde der Text höchstwahrscheinlich sogar komplett gelöscht werden - schließlich veröffentlicht Google meine Beiträge über einen amerikanischen Server, und der würde dann zensiert werden. (Danke an den anonymen Hinweisgeber dazu).
So viel zum Thema Redefreiheit also...





*         Wikipedias Protest gegen Sopa  http://derstandard.at/1326502916076
**       Mozillas Protest gegen Sopa http://www.mozilla.org/sopa/
***     Website, die Filehoster wie Rapidshare durchsucht http://filecrop.com/
****   Größtes Torrentportal http://thepiratebay.org/
***** Website, die geographische Sperren umgeht http://hidemyass.com

Montag, 9. Januar 2012

Der Papst und der Weltuntergang

Der Papst glaubt also an die 2012 Theorien. Also, vielleicht nicht in ihrer viel Blödsinn umfassenden Gesamtheit, aber zumindest zu kleinen, fein portionierten Teilen. Ich möchte an dieser Stelle unseren derzeitigen Papst Benedikt XVI zitieren, um das ganze ein klein Wenig anschaulicher zu machen: Er spricht nämlich überzeugt von einer
"Bedrohung für die menschliche Würde und sogar für die Zukunft der Menschheit"
So so. Und wer oder was bedroht nach der geschätzten Meinung des greisen Kirchenoberhauptes unsere kaputte Konsumgesellschaft akkut am Meisten? Ist es genmanipuliertes Essen? Vielleicht eine große Klimakatastrophe, die nahende Apokalypse, oder gar ein thermonuklearer Krieg?
Blödsinn, viel "naheliegender"! Die Homoehen.

Nein, das ist kein schlechter Witz, es ist leider überhaupt keiner. Der Leiter der katholischen Glaubensgemeinschaft ist also tatsächlich der Ansicht, dass das Verheiraten von homosexuellen Partnern die Gesellschaft und "sogar die Zukunft der Menschheit" bedrohen kann. Buuhuuuu. Ich zittere.
Laut dem Papst ist die klassische Familie, also ein Mann, eine Frau und eine möglichst große Zahl an Kindern, nämlich die fundamentale Stütze unserer gesamten Gesellschaft.
Vielleicht ist es dem einen oder anderen schon aufgefallen, aber der Papst ist ja prinzipiell und vor allem ein Sprecher der Kirche, richtig? Nun, meiner Schulbildung an einem katholischen Privatgymnasium konnte ich bisher immer entnehmen, dass die Grundfesten dieses betroffenen Glaubens eigentlich solche wie die "Nächstenliebe" oder der Glaube an Jesus Christus seien. Natürlich spielten auch die Ehrlichkeit und das Streben nach einem gottesnahen Leben eine große Rolle, doch war mir nie wirklich bewusst, dass die gesamte Gesellschaft nur davon abhängt, ob nun ein Mann mit einer Frau oder mit einem zweiten Mann in das Bett steigt.


Quelle: DiePresse.com
Ich kann diese Selbstzerstörungskampagne des Vatikans nicht nachvollziehen. Zum einen sehnt sich ein Großteil der Glaubensgemeinschaft schon des längeren nach einer liberaleren, offeneren Einstellung der kirchlichen Obrigkeit zu verschiedensten Themen, und zum anderen ist wohl keine "Gruppierung" in den letzten Jahren so stark gewachsen wie die der Schwulen und Lesben. Nun mit einem Schlag beide Strömungen gleichermaßen und aufs Neue vor den Kopf zu stoßen sieht beinahe verdächtig nach einer bewussten Kirchenaustrittskampagne aus, die dann aber wohl doch eher nicht das oberste Ziel Benedicts war.

Mir ist die Abneigung gegenüber Schwulen und Lesben (seltsamerweise aber besonders gegenüber Schwulen) ohnehin ein Rätsel. Ich mag keine Lakritzbonbons. Mir ist es aber vollkommen egal, ob es andere Menschen gibt, die solche lieben und kiloweise verschlingen. Und ich würde mir keine sexuelle Beziehung mit einem Mann vorstellen können. Und? Warum sollen andere das nicht dürfen, wenn sie es wollen? Schwule stören doch niemanden, verletzen keinen, blockieren nichts und sind ganz allgemein leicht zu ignorieren. Warum also macht die Kirche so ein großes Thema daraus?
Klar, sie können sich nicht untereinander fortpflanzen. Aber brauchen wir das momentan wirklich? Zu der eben geknackten sieben Milliarden Marke noch ein paar weitere dazu? Und warum sollen liebende Eltern kein Kind adoptieren dürfen, wenn sie selbst keines bekommen können? Ich gehe doch stark davon aus, dass es für ein Kind besser ist, mit zwei Eltern mit Penis aufzuwachsen als ohne Eltern...

Dass die Gesellschaft sich dadurch in irgendeiner Weise bedroht fühlen muss halte ich nicht einmal mehr für lachhaft, sondern schlichtweg für gefährlich und hetzerisch. Angst hat Menschen schon immer zu den verrücktesten Taten getrieben, und nun wird also bewusst Angst vor einer bestimmten Minderheit gemacht? Leider gibt es nämlich immer noch genug Menschen, denen Papas Wort sehr viel bedeutet, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass das künftig noch ein nicht zu geringes Maß an Gewaltbereitschaft hervorbringen könnte.

Aufwachen, Kirche! Auch wenn es für euch wichtig ist, an alten Werten festzuhalten und diese zu verteidigen solltet ihr doch an einem gewissen Punkt einsehen, dass ihr vollkommen falsch liegt. Wenn zwei Männer oder zwei Frauen sich lieben, dann ist das keine dämliche Prüfung die sie zu bestehen haben und kein Test, ob sie das Paradies auch verdient haben, sondern schlicht und einfach Liebe. Und wer sollte ihnen verbieten, diese auszuleben und eine glückliche Beziehung zu führen?
Es ist nun einmal leider so, dass es dutzende Säugetierarten gibt, bei denen Homosexualität vorkommt, aber nur eine, bei der man Homophobie beobachten kann. Uns starrköpfige, engstirnige Menschen.

Dienstag, 3. Januar 2012

Der Nazi und der junge, dumme, blöde Bub.

Foto: DiePresse.com


Otto Scrinzi ist tot.
Und vielleicht geht es dem geneigten Leser erst mal so wie mir, und er denkt sich beim Lesen dieser Zeile erst mal "Wer zum...?"
Ich möchte das zuerst mit HC Straches Worten beantworten:
Laut diesem ist er nämlich ein "freiheitliches Urgestein", das "die Werte unserer Gesinnungsgemeinschaft immer gelebt hat"*
Soso. Also einer, der immer (siehe Zitat) das richtige getan hat und so gelebt hat, wie es in "unserer Gesinnungsgemeinschaft" (das ist dann wohl das rechte Lager) für richtig gehalten wird?
Interessant.

Eine kurze Onlinerecherche zeigt, dass Herr Scrinzi tatsächlich den Idealen der FPÖ sehr nahe stand, schließlich stand er dieser kurz sogar als stellvertretender Klubobmann vor und kandidierte für den Posten des Bundespräsidenten.

Was man dort übrigens noch herausfindet ist, dass Otto Scrinzi ein Nazi war. Also nicht einfach irgendeiner, schließlich war ein Großteil derer, die heute 93 sind, in gewisser Form mal Nazi (oder haben sich nicht gegen diese gewehrt - ansonsten wären sie kaum 93 geworden...), sondern ein doch relativ erfolgreicher. Er arbeitete als Sturmführer der SA, und war Mitglied der NSDAP, später verdiente er seine Brötchen als Erb- und Rassenbiologe, wozu ich ebenfalls nicht mehr sagen möchte. Nach dem Krieg engagierte er sich, verständlicherweise, für die Generalamnestie für NS-Verbrechen, wurde in verschiedenen rechtsrandigen Gruppierungen tätig und verfasste entsprechende Zeitungsartikel und Bücher.

Und nun zurück zu Straches verbalen Liebkosungen. Sollte dieses Zitat tatsächlich von ihm stammen, und ich vertraue hier doch sehr auf die Berichterstattung des ORF*, dann war dies vermutlich eine der deutlichsten Arten, im öffentlichen Raum "Ich bin ein Nazi und finde Hitlers Taten großartig" zu sagen, ohne dafür 20 Jahre ins Gefängnis zu wandern.

Und damit ist die FPÖ wieder einmal meine Nummer Eins unter den unwählbaren Parteien Österreichs und Strache genau der selbe junge, dumme, blöde Bub, der er nach eigener Aussage** schon in jungen Jahren war. 






*http://kaernten.orf.at/news/stories/2515589/
**http://www.youtube.com/watch?v=2C5sph9m1-U

Freitag, 30. Dezember 2011

Mein 2011

So zurückblickend war das ein wirklich interessantes Jahr. Große Bewegungen auf der ganzen Welt, das Occupy Movement hat einmal über die Erde hinweggefegt, ohne ernst zu nehmende Spuren zu hinterlassen, ein Killervirus wurde gezüchtet, für den man sich nun eine "Bauanleitung" aus dem Netz herunterladen kann, und Obama hat nun tatsächlich und endgültig den Krieg beendet.

Dieses Jahr hat uns wie keines davor, das ich erleben durfte, gezeigt, wie global und vernetzt unsere Welt ist und wie wenig Einfluss die Meinung der Bevölkerung auf die globalen Machthaber hat.

Die Demokratiebewegung erzielte schon im Februar ihren ersten großen Erfolg mit dem Rücktritt von Hosni Mubarak, über den zu berichten eine unnötige Wiederholung wäre. Interessant ist es nur, wenn man das ganze von heute aus beobachtet. Ein solcher Rückblick bietet einem die Chance, die damalige Lage mit der heutigen direkt zu vergleichen, und ich würde nicht darauf wetten, dass diejenigen, die damals die Proteste ausgelöst haben, auch heute noch der Meinung wären dass dies der beste Weg ist. Erst vor wenigen Wochen sind in Ägypten nämlich bei gewaltsamen Auseinandersetzungen wieder über 400 Menschen gestorben, und in den anderen Ländern des "Arabischen Frühlings" sieht es kaum besser aus.

Das nächste Ereignis, das unsere Medien über Wochen hinweg dominierte, war natürlich der Atomunfall von Fukushima. Mittlerweile sollte jeder ausreichend über die dort erfolgten Kernschmelzen und die damit einhergehende Verstrahlung der Provinz informiert sein. Tatsächlich sind die Strahlungswerte, die überall auf der Welt aus Sicherheitsgründen ständig gemessen werden, global gestiegen, und zwar um einen deutlich messbaren Wert.
Diese Katastrophe war wieder einmal etwas, das all den Kritikern und all den Umweltschützern und "Ökos" Recht gegeben hat, und trotzdem hat sich viel zu wenig bewegt. Natürlich, bei unseren deutschen Nachbarn wurden mehrere "riskante" Reaktoren heruntergefahren und ein kompletter Atomausstieg könnte der nächste Schritt sein. Wie bereits erwähnt ist es jedoch nicht unbedingt wichtig, wie weit ein AKW von uns entfernt ist, und China hat nur kurze Zeit nach dem Atomunfall in Japan begonnen, neue Reaktoren zu bauen, und auch Frankreich denkt nicht einmal daran, auf Alternativen umzusteigen.

Und der mediale Dauerbrenner 2011 war natürlich die Finazkrise, die bei der Bevölkerung immer mehr Unmut und Unverständnis auslöst.Spekulationen auf Nichts, Investitionen mit Nichts, und plötzlich haben alle unglaublich hohe Schulden, und der Staat muss den Banken Milliarden schenken, damit die Wirtschaft nicht stagniert. Oder so. Dass dann natürlich immer noch genug Geld für horrende Boni und vollkommen exorbitale Managergehälter übrig ist versteht sich von selbst - schließlich hat man vom Staat ja genug Geld bekommen. Und jetzt, wo der Staat den Banken genug Geld gegeben hat, muss er sich, natürlich von Banken, neues leihen, um etwas bezahlen zu können, und die verlangen jetzt einfach mal höhere Steuern - weil der Staat sich ja hoch verschulden musste, um die Banken zu retten. Dass dieses System nicht nur ungerecht sondern unhaltbar ist versteht sich von selbst, und nun stellt sich nur noch die Frage, wie das wohl weitergeht und was sich ändern wird.

Damit wären wir eigentlich auch schon bei der Occupy Bewegung angelangt, einer globalen Protestwelle, die genau diese Missstände und die immer größere Schere zwischen Arm und Reich als Auslöser hatte. Begonnen hat der Spaß im September in der Wall Street (Deshalb auch Occupy Wall Street, Captain Obvious strikes again...), wo einige Demonstranten friedlich gegen das "eine Prozent" demonstrierten, das den Großteil des Geldes besitzt. Schnell verbreitete sich dieser Gedanke, und  es folgte der meines Wissens erste internationale Protest in der Geschichte der Menschheit. Und im Rückblick? So traurig das auch ist und so sehr ich dieser Bewegung einen Erfolg wünschen würde: auf ganzer Linie gescheitert.
Zuerst kleine Demos, dann Gewaltakte der Polizei, die noch viel größere Demos und einen Aufschrei im Internet hervorriefen. Und dann? Nichts. Viele Menschen waren auf der Straße, viele Blogs wurden geschrieben und es gab viele gute Ideen. Und es gab einige wenige, vielleicht genau ein Prozent, die das ganze für Schwachsinn hielten und mit dem aktuellen Finanzsystem zu frieden sind. Leider ist dieses eine Prozent nicht nur reich, sondern auch an der Macht, und so verebbten diese Demonstrationen und übrig blieben ein paar kaum besuchte Websites.
Auch der tatsächlich sehr vernünftige und gut durchdachte Gedanke einer "Tobin Tax", also einer Steuer auf Finanztransaktionen, wurde aufgrund der ablehnenden Haltung einiger weniger Länder wieder verworfen und so ist wieder alles beim Alten. Schade eigentlich.

Was ist noch passiert?
  • Anonymous wurde hochgehypet und sackte dann in sich zusammen, mittlerweile hat die Gruppierung gewaltig an Einfluss und Fähigkeit verloren. Vermutlich wird hier bald etwas neues auf uns zukommen.
  • Osama Bin Laden wurde von einem amerikanischen Sonderkommando in seinem Wohnhaus gefunden und getötet, was internationale Konflikte hervorrief. Darf man einen Terroristen einfach töten? Ist die Todesstrafe legitim? Und warum wurde die Leiche im Meer versenkt und nicht obduziert?
  • Der G8 Gipfel in Frankreich war von derartig stark ausgeplägter Dampfplauderei gezeichnet, dass ihn nun der kürzeste mir bekannte Wikipediaartikel beschreibt.
  • In Russland gewann Vladimir Putins Partei erneut die Wahl, wobei alle Parteien genau 146% der abgegebenen Stimmen erhalten haben. Ein weiterer Kommentar ist hier hoffentlich überflüssig.
Und noch eine Veränderung unserer Welt möchte ich erwähnen, auch wenn diese nicht unbedingt 2011spezifisch sondern eher ein aktueller Trend ist. Die fortschreitende Entstehung eines globalen Überwachungsstaates nämlich. Das klingt sofort nach wüsten Verschwörungstheorien und Illuminaten, tatsächlich aber wurden im vergangenen Jahr in vielen Ländenr, Österreich und Amerika eingeschlossen, Gesetze verabschiedet, die es der Polizei oder anderen staatlichen Institutionen ermöglichen oder erleichtern, Websites einfach zu sperren, Bewegungsdaten von Handys einzusehen und ganz allgemein die Nase in Privatangelegenheiten zu stecken, ohne dafür irgendeinen Verdacht oder richterlichen Bescheid zu benötigen. In Österreich sticht hier das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung hervor, wobei ich hier noch mal jedem empfehlen möchte, meinen Text zu diesem Thema zu lesen und das Volksbegehren dagegen zu unterschreiben.
    Ich denke, die für mich wichtigsten Bewegungen des letzten Jahres habe ich hier rückblickend ein wenig zusammengefasst. Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, wie sich die Dinge entwickelt haben, und es erschüttert mich wie wenig sich tatsächlich bewegt hat. Noch nie habe ich von einer derartig großen Protestwelle wie dem Occupy Movement gehört, und trotzdem war die Folge gleich Null. Nun kann ich nur auf die Veränderungen in den Nächsten Jahren warten, und die werden gewiss kommen, und euch ein gutes neues Jahr und einen guten Rutsch wünschen! Und weil die Welt ja 2012 untergeht war das vermutlich mein letzter Jahresrückblick, lebt also wohl.